Connected Car [Technologien und Geschäftsmodelle der Zukunft]

Connected Car [Technologien und Geschäftsmodelle der Zukunft]

Connected Car Technologien revolutionieren die Automobilbranche und schaffen völlig neue Geschäftsmöglichkeiten. 5G-Vernetzung, Vehicle-to-Everything-Kommunikation und cloudbasierte Analytics verändern bereits heute die Art, wie Fahrzeuge funktionieren.

Wir bei Dealer Recode beobachten, wie diese Entwicklungen traditionelle Vertriebsmodelle herausfordern. Autohäuser müssen ihre Strategien grundlegend überdenken, um von den neuen Möglichkeiten zu profitieren.

Welche Connected Car Technologien transformieren die Automobilbranche

Die technologische Grundlage für Connected Cars basiert auf drei entscheidenden Säulen, die bereits heute messbare Veränderungen in der Automobilindustrie bewirken. 5G-Vernetzung ermöglicht Datenübertragungsraten von bis zu 10 Gigabit pro Sekunde und reduziert die Latenzzeit auf unter eine Millisekunde. Diese Geschwindigkeit macht Echtzeitanwendungen wie kollisionsvermeidende Systeme erst möglich. Edge Computing verarbeitet Fahrzeugdaten direkt vor Ort und reduziert die Abhängigkeit von zentralen Rechenzentren um 70 Prozent (besonders relevant für kritische Sicherheitsfunktionen).

Infografik: Edge Computing reduziert die Abhängigkeit von zentralen Rechenzentren um 70 Prozent und ermöglicht Echtzeitanwendungen.

5G und Edge Computing als Leistungsturbo

5G-Netzwerke schaffen die Infrastruktur für komplexe Fahrzeugfunktionen, die früher undenkbar waren. Die Technologie ermöglicht simultane Verbindungen von bis zu einer Million Geräten pro Quadratkilometer. Edge Computing ergänzt diese Kapazität durch lokale Datenverarbeitung direkt im Fahrzeug oder in nahegelegenen Rechenzentren. Automobilhersteller nutzen diese Kombination für Over-the-Air-Updates (OTA), die neue Funktionen ohne Werkstattbesuch aktivieren. Diese Updates ermöglichen Herstellern, Software-Updates für Fahrzeuge aus der Ferne über ein Funknetz bereitzustellen und damit kontinuierlich die Fahrzeugfähigkeiten zu erweitern.

Vehicle-to-Everything als Sicherheitsfaktor

V2X-Kommunikation verbindet Fahrzeuge mit ihrer gesamten Umgebung und schafft ein intelligentes Verkehrsnetz. Fahrzeuge tauschen bis zu 700.000 Nachrichten pro Minute aus, wie aktuelle Daten von WirelessCar zeigen. Diese Kommunikation zwischen Fahrzeugen, Infrastruktur und Fußgängern reduziert Unfallrisiken nachweislich. Waymo-Fahrzeuge verzeichnen bereits heute eine deutlich niedrigere Unfallrate als menschliche Fahrer. V2X-Systeme warnen vor Gefahren, bevor sie für den Fahrer sichtbar werden, und optimieren Verkehrsflüsse in Echtzeit (mit Potenzial für 40 Prozent weniger Staus in Ballungsräumen).

Cloud-Analytics als Datenquelle für neue Services

Cloudbasierte Datenverarbeitung verwandelt Fahrzeuge in rollende Datenquellen und schafft völlig neue Geschäftsmodelle. Jedes vernetzte Fahrzeug generiert täglich bis zu 25 Gigabyte an Daten über Fahrverhalten, Fahrzeugzustand und Nutzungsmuster. Diese Informationen ermöglichen vorausschauende Wartung, personalisierte Services und datenbasierte Serviceleistungen. Automobilhersteller erzielen durch Connected Car Services zusätzliche Einnahmen von bis zu 1.100 Euro pro Fahrzeug und Jahr, wie die Studie Software-Revolution: Autos neu denken prognostiziert. Flottenmanager nutzen diese Daten für Effizienzsteigerungen und Kostensenkungen von durchschnittlich 15 Prozent. Diese technologischen Grundlagen ermöglichen völlig neue Ansätze für Geschäftsmodelle, die weit über den traditionellen Fahrzeugverkauf hinausgehen.

Welche neuen Geschäftsmodelle entstehen durch Connected Cars

Connected Cars schaffen Einnahmequellen, die weit über den einmaligen Fahrzeugverkauf hinausgehen und traditionelle Automobilhersteller zu Technologieunternehmen transformieren. BMW ConnectedDrive sammelt Fahrdaten, analysiert Fahrverhalten und bietet personalisierte Wartungsempfehlungen. Mercedes-Benz erzielt durch digitale Services bereits 15 Prozent seiner Gesamteinnahmen und plant eine Steigerung auf 25 Prozent bis 2030. Tesla verdient pro Fahrzeug zusätzlich 2.800 Dollar jährlich durch Software-Features wie Autopilot-Updates und Premium-Connectivity-Pakete.

Kompakte Liste: Drei zentrale Geschäftsmodell-Trends im Connected-Car-Bereich. - connected car

Datenbasierte Services revolutionieren Kundenbeziehungen

Automobilhersteller nutzen Fahrzeugdaten für maßgeschneiderte Serviceangebote, die kontinuierliche Einnahmen generieren. Jedes vernetzte Fahrzeug produziert täglich 25 Gigabyte an Informationen über Fahrverhalten, Fahrzeugzustand und Nutzungsmuster. Diese Daten ermöglichen vorausschauende Wartung, personalisierte Versicherungstarife und individuelle Mobilitätslösungen. Ford nutzt Telematikdaten für Usage-Based Insurance und reduziert Versicherungskosten für sichere Fahrer um bis zu 40 Prozent. General Motors monetarisiert Standortdaten durch gezielte Werbung und erzielt pro Fahrzeug monatlich 350 Dollar zusätzliche Werbeeinnahmen.

Subscription-Modelle verändern die Fahrzeugnutzung grundlegend

Automobilhersteller implementieren Abo-Modelle für Fahrzeugfunktionen, die früher standardmäßig verfügbar waren. BMW bietet beheizbare Sitze für 18 Dollar monatlich an, Mercedes verlangt 1.200 Dollar jährlich für Rear-Axle Steering. Diese Strategie generiert kontinuierliche Einnahmen über die gesamte Fahrzeuglebensdauer von durchschnittlich 12 Jahren. Volkswagen plant bis 2025 Software-Abonnements für 85 Prozent seiner Neuwagen. Die Automobilindustrie entwickelt Subscription-Services als profitablen Cashflow-Generator. Cadillac Super Cruise kostet 25 Dollar monatlich und verzeichnet eine Abo-Rate von 60 Prozent bei Neukunden.

Plattform-Ökosysteme schaffen neue Partnerschaften

Connected Cars werden zu Plattformen für Drittanbieter-Services und schaffen völlig neue Kooperationsmodelle. Ford integriert Amazon Alexa direkt ins Fahrzeug und teilt Umsätze aus Voice-Commerce-Transaktionen. Stellantis kooperiert mit Google für Android Automotive und erhält Provisionen aus App-Store-Verkäufen. Diese Partnerschaften ermöglichen es Automobilherstellern, ohne eigene Software-Entwicklung an digitalen Services zu verdienen. Apple CarPlay und Android Auto generieren bereits heute Milliardenumsätze durch In-Car-Purchases. Waymo monetarisiert seine autonomen Fahrzeuge durch Ride-Hailing-Services und erzielt pro Fahrt 2,50 Dollar Gewinn.

Diese neuen Geschäftsmodelle verändern nicht nur die Einnahmestrukturen der Hersteller, sondern auch die Erwartungen der Kunden an den Automobilhandel.

Wie verändert Connected Car den traditionellen Automobilhandel

Connected Cars revolutionieren den Automobilhandel fundamental und zwingen Händler zu einer kompletten Neuausrichtung ihrer Geschäftsmodelle. Die traditionelle Verkaufs-After-Sales-Struktur weicht einem kontinuierlichen Kundenbeziehungsmanagement, bei dem Daten die neue Währung darstellen. Mercedes-Benz Händler nutzen bereits heute Connected Car Daten für proaktive Wartungsempfehlungen und steigern ihre Service-Umsätze um durchschnittlich 23 Prozent. BMW ConnectedDrive ermöglicht es Händlern, Kunden vor Problemen zu warnen und reduziert ungeplante Werkstattbesuche um 35 Prozent. Tesla zeigt mit seinem direkten Online-Vertrieb, dass traditionelle Händlerstrukturen überflüssig werden können (78 Prozent aller Tesla-Verkäufe erfolgen bereits digital ohne physischen Händlerkontakt).

Hub-and-Spoke: Drei messbare Effekte von Connected Cars auf den Automobilhandel in Deutschland.

Veränderte Kundenbeziehungen durch kontinuierliche Datenströme

Connected Cars schaffen permanente Verbindungen zwischen Fahrzeug, Kunde und Händler, wodurch sich die Kundenbeziehung von episodischen Kontakten zu kontinuierlichen Interaktionen wandelt. Jedes vernetzte Fahrzeug sendet täglich 25 Gigabyte an Daten über Fahrverhalten, Fahrzeugzustand und Nutzungsmuster. Händler erhalten dadurch präzise Einblicke in Kundenbedürfnisse und können personalisierte Services anbieten. Audi-Händler nutzen diese Datenströme für maßgeschneiderte Wartungsangebote und erzielen eine Kundenzufriedenheit von 94 Prozent bei datenbasierten Services. Die permanente Konnektivität ermöglicht es Händlern, proaktiv auf Kundenbedürfnisse zu reagieren, anstatt auf Kundenanfragen zu warten.

Remote-Diagnose ersetzt klassische Werkstatttermine

Connected Cars übertragen kontinuierlich Diagnosedaten an Hersteller und Händler, wodurch vorausschauende Wartung zur Realität wird. Remote-Diagnose ermöglicht den ersten praktischen Schritt in Richtung digitale, vorausschauende Instandhaltung ohne komplexe IT-Projekte. Ford nutzt Telematikdaten für Remote-Diagnosen und identifiziert 89 Prozent aller Fahrzeugprobleme, bevor sie zu Ausfällen führen. Volkswagen-Händler erhalten automatische Warnmeldungen über bevorstehende Wartungsbedarfe und können Kunden gezielt kontaktieren (mit einer Terminbuchungsrate von 67 Prozent gegenüber 23 Prozent bei traditionellen Wartungserinnerungen). Over-the-Air-Updates ermöglichen es Herstellern, neue Funktionen und technische Verbesserungen einfach aufzuspielen und reduzieren physische Werkstattbesuche erheblich. Händler müssen ihre Service-Teams für digitale Kundenbetreuung schulen und neue Einnahmequellen durch datenbasierte Services entwickeln.

Digitale Vertriebskanäle dominieren Kaufentscheidungen

Der Fahrzeugverkauf verlagert sich massiv ins Internet, wobei Connected Car Features bereits vor dem Kauf erlebbar werden. Audi bietet virtuelle Probefahrten mit Connected Services an und erzielt eine Kaufabschlussrate von 43 Prozent bei digitalen Interessenten. Porsche-Kunden konfigurieren 85 Prozent ihrer Fahrzeuge online und nutzen dabei Connected Car Simulationen für ihre Entscheidung. Händler benötigen neue digitale Kompetenzen und müssen ihre Verkaufsprozesse komplett überdenken (oder verlieren Marktanteile an Direktvertrieb und Online-Plattformen). Die Digitalisierung des Automobilhandels erfordert spezialisierte Expertise in Content-Produktion, Plattform-Entwicklung und datengetriebenen Verkaufsprozessen.

Schlussfolgerung

Connected Car Technologien schaffen ein Marktpotenzial von 114,54 Milliarden US-Dollar bis 2029 und transformieren die Automobilbranche grundlegend. Hersteller erzielen bereits heute zusätzliche Einnahmen von bis zu 1.100 Euro pro Fahrzeug jährlich durch datenbasierte Services und Subscription-Modelle. Diese Entwicklung stellt traditionelle Autohäuser vor massive Herausforderungen, da sich Kundenbeziehungen von episodischen Kontakten zu kontinuierlichen digitalen Interaktionen wandeln.

Die größte Herausforderung liegt in der Neuausrichtung der Geschäftsmodelle für das Connected Car Zeitalter. Remote-Diagnose und Over-the-Air-Updates reduzieren physische Werkstattbesuche erheblich, während 78 Prozent der Tesla-Verkäufe bereits digital ohne Händlerkontakt erfolgen. Autohäuser müssen ihre Service-Teams für digitale Kundenbetreuung schulen und neue Einnahmequellen durch vernetzte Fahrzeugdaten entwickeln (besonders im Bereich vorausschauender Wartung und personalisierter Services).

Erfolgreiche digitale Transformation erfordert spezialisierte Expertise in Content-Produktion, Plattform-Entwicklung und datengetriebenen Verkaufsprozessen. Die Automobilbranche benötigt Partner, die sowohl technische Kompetenz als auch branchenspezifisches Know-how mitbringen. Newroom Media unterstützt Automotive-Unternehmen dabei, ihre digitale Aufstellung zu optimieren und Connected Car Potenziale vollständig auszuschöpfen.