Carsharing als Geschäftsmodell [Potenziale und Risiken]

Carsharing als Geschäftsmodell [Potenziale und Risiken]

Carsharing verändert die Automobilbranche grundlegend. Traditionelle Händler stehen vor der Entscheidung, ob sie dieses Geschäftsmodell in ihr Portfolio integrieren sollen.

Wir bei Dealer Recode beobachten, wie sich neue Umsatzchancen durch geteilte Mobilität entwickeln. Gleichzeitig bringen diese Modelle erhebliche Risiken mit sich, die eine sorgfältige Abwägung erfordern.

Welche konkreten Gewinnchancen bietet Carsharing

Zusätzliche Einnahmequellen erschließen

Carsharing eröffnet Automobilhändlern völlig neue Umsatzkanäle. Die Zahl der Carsharing-Fahrzeuge in Deutschland wuchs von 13.400 auf über 45.500 zwischen 2019 und 2025 – ein Wachstum von 240 Prozent. Händler monetarisieren ihre bestehenden Fahrzeugbestände, statt sie ungenutzt auf dem Hof stehen zu lassen.

Ein durchschnittliches Pkw steht 23 Stunden täglich ungenutzt herum, während Carsharing diese Stillstandszeiten in Umsatz verwandelt. Über 70 Prozent der Carsharing-Nutzer reduzieren ihre monatlichen Mobilitätskosten, was eine starke Nachfrage nach diesem Service schafft. Händler erreichen dabei neue Zielgruppen: 50 Prozent der Nutzer sind unter 35 Jahre alt – eine Generation, die Zugang über Besitz bevorzugt.

Visualisierung zentraler Nutzerstatistiken im Carsharing in Deutschland

Operative Effizienz durch bessere Auslastung

Ein Carsharing-Fahrzeug ersetzt im Schnitt 10 private Pkw, was die Effizienz der Fahrzeugnutzung drastisch steigert. Händler dimensionieren ihre Flotten kleiner und bedienen trotzdem mehr Kunden. Die kontinuierliche Nutzung führt zu vorhersagbareren Wartungszyklen und reduzierten Standkosten.

KI-gestützte Auslastungsanalysen helfen dabei, die Fahrzeugverfügbarkeit zu optimieren und Leerfahrten zu minimieren. Carsharing-Fahrzeuge sind durchschnittlich kleiner und effizienter als private Pkw, was Kraftstoff- und Wartungskosten senkt. Die regelmäßige Nutzung verhindert zudem typische Standschäden (wie entladene Batterien oder festsitzende Bremsen), die bei ungenutzten Fahrzeugen auftreten.

Nachhaltigkeit als Marktdifferenzierung

Jedes fünfte Auto im Carsharing ist elektrisch, während nur 3,3 Prozent der deutschen Pkw-Flotte E-Autos sind. Händler positionieren sich durch Carsharing als Nachhaltigkeitspioniere und sprechen umweltbewusste Kunden an. Carsharing trägt zur Einsparung von etwa 234.000 Tonnen CO2 jährlich bei – ein messbarer Umweltvorteil, den Händler kommunizieren können.

65 Prozent der Kunden wählen Carsharing wegen der umweltfreundlichen Aspekte. Diese Positionierung wird zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil, da Nachhaltigkeit für 65 Prozent der Verbraucher ein wichtiges Kaufkriterium darstellt. Händler, die frühzeitig auf nachhaltige Mobilitätslösungen setzen, sichern sich Marktanteile in einem wachsenden Segment mit einer geschätzten jährlichen Wachstumsrate von 20 Prozent bis 2026.

Diese Potenziale bringen jedoch auch erhebliche Herausforderungen mit sich, die eine sorgfältige Risikoanalyse erfordern (insbesondere bei Investitionskosten und rechtlichen Aspekten).

Welche Risiken bringt Carsharing für Händler mit sich

Technologiekosten überlasten schnell das Budget

Die Implementierung von Carsharing erfordert erhebliche Anfangsinvestitionen, die viele Händler unterschätzen. Eine professionelle Carsharing-Plattform kostet zwischen 50.000 und 200.000 Euro (abhängig von Funktionsumfang und Fahrzeuganzahl). GPS-Tracking-Systeme, Telematik-Einheiten und mobile Apps müssen für jedes Fahrzeug installiert werden – bei Kosten von 800 bis 1.500 Euro pro Fahrzeug.

Die Integration in bestehende Händler-IT-Systeme verursacht zusätzliche Kosten von 20.000 bis 80.000 Euro. Wartung und Updates der Software schlagen mit monatlich 3.000 bis 8.000 Euro zu Buche. Kleinere Händlergruppen erreichen oft erst nach 18 bis 24 Monaten die Gewinnschwelle, während größere Investitionen in Marketing und Kundenakquise parallel laufen müssen.

Versicherungsrisiken gefährden die Rentabilität

Carsharing-Fahrzeuge unterliegen anderen Versicherungskonditionen als herkömmliche Mietwagen oder Händlerfahrzeuge. Die Prämien liegen 40 bis 60 Prozent über denen privater Pkw, da das Schadensrisiko bei wechselnden Fahrern deutlich steigt. Haftungsfragen bei Unfällen oder Vandalismus bleiben oft ungeklärt, während 45 Prozent der Nutzer sich durch regelmäßige Wartung sicherer fühlen.

Hub-and-Spoke-Grafik zu Versicherungs-, Haftungs- und Betriebskostenrisiken im Carsharing

Händler tragen das Risiko für Fahrzeugdiebstahl, unsachgemäße Nutzung und Verschleiß durch unbekannte Fahrer. Die durchschnittlichen Schadenskosten pro Carsharing-Fahrzeug liegen bei 2.800 Euro jährlich – 85 Prozent höher als bei Privatfahrzeugen. Rechtliche Grauzonen bei grenzüberschreitenden Fahrten oder Nutzung durch nicht autorisierte Personen schaffen zusätzliche Haftungsrisiken, die schwer kalkulierbar sind.

Marktverdrängung durch Plattformriesen

Etablierte Carsharing-Anbieter wie Share Now oder WeShare verfügen über massive Kapitalreserven und können Preisdumping betreiben, das kleinere Händler nicht überleben. Die Marktkonzentration nimmt zu: Drei große Anbieter kontrollieren bereits 70 Prozent des deutschen Carsharing-Markts. Regulatorische Unsicherheiten verschärfen die Situation zusätzlich – neue EU-Richtlinien zur Datennutzung und zum Verbraucherschutz können bestehende Geschäftsmodelle obsolet machen.

Kommunale Vorschriften für Stellplätze und Betriebszeiten ändern sich häufig und unvorhersagbar. Die Abhängigkeit von digitalen Plattformen macht Händler verwundbar gegenüber technischen Ausfällen oder Cyberangriffen, die das gesamte Geschäft lahmlegen können. Diese Herausforderungen erfordern durchdachte Strategien, um Carsharing erfolgreich zu implementieren.

Wie implementieren Sie Carsharing erfolgreich

Standortwahl und Flottengröße bestimmen den Erfolg

Die Standortwahl entscheidet über Erfolg oder Misserfolg Ihres Carsharing-Projekts. Über 50 Prozent der Städte mit 20.000 bis 50.000 Einwohnern bieten mittlerweile Carsharing an, aber die Nachfrage konzentriert sich auf Ballungsräume mit hoher Bevölkerungsdichte. Platzieren Sie Ihre Fahrzeuge in einem Radius von maximal 500 Metern um Bahnhöfe, Universitäten oder Geschäftszentren – diese Standorte generieren 70 Prozent mehr Buchungen als periphere Lagen.

Kompakte Liste zentraler Kennzahlen zur Standortwahl und Flottendimensionierung im Carsharing

Starten Sie mit einer Flotte von 15 bis 25 Fahrzeugen pro 10.000 Einwohner, um eine kritische Masse zu erreichen. Free-Floating-Modelle funktionieren nur in Städten mit über 100.000 Einwohnern, während stationsbasierte Systeme bereits ab 20.000 Einwohnern rentabel werden können. Die Fahrzeugverteilung muss der lokalen Nachfrage folgen (morgens mehr Fahrzeuge in Wohngebieten, abends in Geschäftsvierteln).

Technische Integration als Erfolgsfaktor

Eine nahtlose digitale Erfahrung entscheidet über die Nutzerakzeptanz. Moderne Carsharing-Strategien fokussieren sich auf Maßnahmenempfehlungen, die das Carsharing in allen Belangen fördern und entwickeln. Investieren Sie in GPS-Tracking mit Echtzeit-Verfügbarkeit, kontaktlose Fahrzeugöffnung per Smartphone und automatische Schadenserfassung durch Telematik.

Die Buchung muss in unter 60 Sekunden abgeschlossen sein – längere Prozesse führen zu 45 Prozent Abbruchrate. Integrieren Sie Ihr System in bestehende Mobilitäts-Apps wie MVG oder VVS, um von deren Nutzerbase zu profitieren. Die technische Infrastruktur erfordert redundante Systeme (Backup-Server und alternative Kommunikationswege), da Ausfälle sofort zu Umsatzverlusten führen.

Strategische Partnerschaften schaffen Wettbewerbsvorteile

Kooperationen mit lokalen Verkehrsbetrieben, Parkraumbewirtschaftern und Kommunen verschaffen Ihnen bevorzugte Stellplätze und reduzieren regulatorische Hürden. Städte wie München vergeben Carsharing-Stellplätze nur an Partner mit nachgewiesener lokaler Verankerung und Elektrofahrzeug-Anteil von mindestens 30 Prozent.

Entwickeln Sie Partnerschaften mit Hotels, Unternehmen und Bildungseinrichtungen, die Ihren Kunden exklusive Tarife anbieten. Diese B2B-Kooperationen generieren planbare Grundauslastung und reduzieren das Risiko von Nachfrageschwankungen. Universitäten und große Arbeitgeber können als Ankermieter fungieren und garantierte Mindestbuchungen zusichern. Eine ganzheitliche Digitalisierungsstrategie unterstützt dabei die erfolgreiche Umsetzung aller Geschäftsbereiche.

Schlussfolgerung

Carsharing transformiert die Automobilbranche und eröffnet Händlern neue Geschäftschancen mit einer prognostizierten Wachstumsrate von 20 Prozent bis 2026. Die steigende Nachfrage nach nachhaltiger Mobilität und die Möglichkeit, ungenutzte Fahrzeugkapazitäten zu monetarisieren, schaffen erhebliche Umsatzpotenziale. Händler positionieren sich durch diese Diversifikation als zukunftsorientierte Mobilitätsdienstleister statt reine Fahrzeugverkäufer.

Der erfolgreiche Einstieg erfordert strategische Planung bei Standortwahl, Flottendimensionierung und technischer Integration. Stationsbasierte Modelle bieten in Städten ab 20.000 Einwohnern (besonders in Kombination mit lokalen Partnerschaften) die beste Erfolgsaussicht bei überschaubaren Anfangsinvestitionen. Die digitale Infrastruktur muss nahtlose Buchungsprozesse und Echtzeit-Verfügbarkeit gewährleisten, um die Nutzerakzeptanz zu sichern.

Die Zukunft gehört Händlern, die frühzeitig in elektrifizierte Carsharing-Flotten investieren und sich als ganzheitliche Mobilitätsanbieter etablieren. Technologische Herausforderungen und regulatorische Risiken lassen sich durch professionelle Beratung und durchdachte Implementierungsstrategien minimieren. Eine umfassende Digitalisierungsstrategie unterstützt Automotive-Unternehmen dabei, diese Transformation erfolgreich zu meistern und nachhaltige Wettbewerbsvorteile zu entwickeln.