Automotive Aftermarket [Herausforderungen und Chancen]

Automotive Aftermarket [Herausforderungen und Chancen]

Der Automotive Aftermarket durchläuft einen fundamentalen Wandel. Digitalisierung und veränderte Kundenerwartungen stellen etablierte Geschäftsmodelle auf den Prüfstand.

Wir bei Dealer Recode beobachten, wie sich neue Chancen für datengetriebene Services entwickeln. Gleichzeitig entstehen durch Online-Plattformen und innovative Marktteilnehmer völlig neue Wettbewerbssituationen.

Was umfasst der Automotive Aftermarket heute?

Der Unterschied zwischen OEM und freiem Markt

Der Automotive Aftermarket gliedert sich in zwei zentrale Bereiche: Das OEM-Geschäft umfasst alle Teile und Services, die direkt von Fahrzeugherstellern oder deren autorisierten Partnern stammen. Der freie Aftermarket bietet alternative Lösungen von unabhängigen Herstellern und Dienstleistern. Diese Abgrenzung gewinnt an Bedeutung, da der freie Markt mittlerweile einen erheblichen Anteil aller Reparaturen außerhalb der Garantiezeit übernimmt. Werkstätten erhalten dadurch mehr Wahlmöglichkeiten bei Ersatzteilen und können kostengünstigere Alternativen anbieten (besonders bei Fahrzeugen über fünf Jahren).

Marktvolumen von 430 Milliarden Dollar

Der globale Automotive Aftermarket erreichte 2024 ein Volumen von 430,51 Milliarden US-Dollar. Analysten prognostizieren bis 2030 ein jährliches Wachstum von 3,8 Prozent. In Deutschland stiegen die durchschnittlichen Wartungskosten 2024 um 9 Prozent auf 389 Euro pro Service. Das Durchschnittsalter der Fahrzeuge überschritt erstmals die 10-Jahres-Marke, was die Nachfrage nach Aftermarket-Services kontinuierlich anheizt. Diese Entwicklung verstärkt sich durch die Unsicherheit vieler Autofahrer beim Umstieg auf Elektromobilität (drei Viertel fürchten sich vor Werkstattbesuchen).

Digitalisierung als zentraler Wachstumstreiber

Drei Faktoren treiben das Marktwachstum besonders stark an: Die zunehmende Fahrzeugkomplexität erfordert spezialisierte Diagnosesysteme und Schulungen. Online-Plattformen verändern das Einkaufsverhalten von Werkstätten und Endkunden grundlegend. Nachhaltigkeit gewinnt an Bedeutung, da Reparaturen und Remanufacturing umweltfreundlicher sind als Neukäufe (Remanufacturing reduziert CO2-Emissionen um bis zu 70 Prozent). Diese Transformationsprozesse bringen jedoch auch erhebliche Herausforderungen mit sich, die Unternehmen strategisch angehen müssen.

Liste der drei zentralen Wachstumstreiber im Automotive Aftermarket in Deutschland

Welche Herausforderungen bedrohen den Automotive Aftermarket?

Digitaler Umbruch überfordert etablierte Strukturen

Die Digitalisierung zwingt Aftermarket-Unternehmen zu radikalen Anpassungen ihrer Geschäftsmodelle. Kunden fordern heute transparente Preise, schnelle Lieferzeiten und nahtlose Online-Erfahrungen. Werkstätten investieren gleichzeitig in neue Diagnosesysteme und schulen ihre Mitarbeiter für Elektrofahrzeuge (deren Wartung spezielle Sicherheitsprotokolle erfordert). Der Bundesgerichtshof entschied 2024, dass Werkstätten freien Zugang zu OBD-Diagnosesystemen erhalten müssen. Diese Entscheidung verstärkt den Wettbewerb erheblich, da kleinere Betriebe nun mit denselben Technologien arbeiten können wie Vertragswerkstätten.

Fragmentierte Lieferketten belasten operative Effizienz

Die Ersatzteillogistik wird durch über 1000 Marken im TecDoc-System und unterschiedliche Qualitätsstandards immer komplexer. Werkstätten benötigen oft mehrere Lieferanten für verschiedene Fahrzeugmarken, was Lagerhaltung und Bestellprozesse erheblich verkompliziert. Die Kostensteigerungen zwingen Betriebe zu effizienteren Beschaffungsstrategien. Globale Lieferkettenprobleme erschweren zusätzlich die Verfügbarkeit spezieller Teile für ältere Fahrzeuge (besonders bei Modellen über 15 Jahren).

Online-Plattformen revolutionieren traditionelle Marktstrukturen

Amazon und spezialisierte B2B-Plattformen drängen aggressiv in den Aftermarket vor. Sie bieten Werkstätten direkten Zugang zu Herstellern und umgehen traditionelle Großhändler komplett. Diese Entwicklung zwingt etablierte Händler zu fundamentalen Geschäftsmodellanpassungen oder zum Marktaustritt. Erfolgreiche Aftermarket-Unternehmen reagieren mit eigenen digitalen Strategien und modernen Content-Plattformen.

Beziehungen zwischen Plattformfunktionen und Marktfolgen im Automotive Aftermarket

Wer nicht schnell handelt, verliert unwiderruflich Marktposition an datengetriebene Konkurrenten. Diese Disruption eröffnet jedoch auch völlig neue Wachstumschancen für innovative Marktteilnehmer.

Wie entstehen neue Wachstumschancen im Aftermarket?

Plattformökonomie schafft millionenschwere Geschäftsmodelle

Der Aftermarket erlebt eine fundamentale Neuordnung durch datengetriebene Plattformen. Werkstätten verhandeln heute über B2B-Marktplätze direkt mit Herstellern und bilden Einkaufsgemeinschaften. Diese digitalen Ökosysteme reduzieren Beschaffungskosten um durchschnittlich 15 bis 25 Prozent. Gleichzeitig entstehen völlig neue Revenue-Streams durch Datenmonetarisierung: Diagnosedaten, Verschleißmuster und Wartungshistorien werden zu wertvollen Assets.

Prozentuale Kostensenkung durch B2B-Ökosysteme im Aftermarket

Erfolgreiche Aftermarket-Unternehmen entwickeln eigene APIs und verkaufen prädiktive Wartungsmodelle an Flottenbetreiber. Die Kombination aus IoT-Sensoren und KI-Algorithmen ermöglicht präzise Vorhersagen für Teileverschleiß und optimiert Lagerhaltung erheblich (besonders bei kritischen Komponenten wie Bremsen und Getrieben).

Personalisierung steigert Umsätze um 30 Prozent

Moderne CRM-Systeme und Datenanalyse revolutionieren die Kundenansprache im Aftermarket. Werkstätten erhalten automatisierte Empfehlungen basierend auf Fahrzeugalter, Laufleistung und Wartungshistorie ihrer Kunden. Diese datengestützten Ansätze steigern Cross-Selling-Erfolge nachweislich um 30 bis 40 Prozent.

Chatbots und KI-gestützte Beratungstools reduzieren Bearbeitungszeiten um bis zu 60 Prozent und verbessern gleichzeitig die Servicequalität. Werkstätten nutzen diese Technologien, um Kunden proaktiv über anstehende Wartungen zu informieren und passende Servicepakete anzubieten (basierend auf individuellen Fahrprofilen und Verschleißmustern).

Nachhaltigkeit wird zum 50-Milliarden-Dollar-Markt

Remanufacturing entwickelt sich zum dominierenden Wachstumstreiber im Aftermarket. Wiederaufgearbeitete Teile kosten 40 bis 60 Prozent weniger als Neuteile und reduzieren CO2-Emissionen um durchschnittlich 70 Prozent. Europäische CO2-Reduktionsziele sind durch Kombinationen aus Zellproduktion und Wertschöpfungskettenoptimierung erreichbar.

Werkstätten positionieren sich erfolgreich als Nachhaltigkeitspartner und gewinnen umweltbewusste Kunden. Die EU-Regulierung zur Kreislaufwirtschaft verstärkt diesen Trend massiv und schafft neue Compliance-Anforderungen. Unternehmen, die frühzeitig in nachhaltige Geschäftsmodelle investieren, sichern sich Wettbewerbsvorteile und erschließen zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten durch ESG-konforme Investoren.

Digitale Vertriebskanäle schaffen dabei neue Umsatzströme und verwandeln traditionelle Herausforderungen in profitable Wachstumschancen.

Schlussfolgerung

Der Automotive Aftermarket durchläuft eine Transformation, die strategische Neuausrichtung erfordert. Unternehmen implementieren datengetriebene Geschäftsmodelle und investieren in moderne Plattformtechnologien. Die Digitalisierung bestimmt den Erfolg der nächsten Dekade maßgeblich.

Erfolgreiche Marktteilnehmer nutzen KI-gestützte Personalisierung für 30 Prozent höhere Cross-Selling-Erfolge. Remanufacturing entwickelt sich zum 50-Milliarden-Dollar-Markt und schafft nachhaltige Wertschöpfung. Elektromobilität verändert Wartungszyklen fundamental, während IoT-Sensoren prädiktive Wartung ermöglichen (besonders bei kritischen Komponenten).

Werkstätten entwickeln sich zu datengetriebenen Servicecentern, die proaktiv agieren statt reaktiv zu reparieren. Unternehmen, die jetzt in digitale Transformation investieren, positionieren sich als Marktführer von morgen. Newroom Media unterstützt Automotive-Unternehmen bei der digitalen Neuausrichtung und erschließt Wachstumspotenziale im sich wandelnden Marktumfeld.